Transkript der Podcast-Reihe:
Geschichten für eine lebendige Zukunft

 

In diesem Artikel reflektiere ich über die Beschränkungen der Sprache, wenn es darum geht, einen Weg in eine lebendige Zukunft zu beschreiben.

Seit mehr als dreißig Jahren versuche ich Worte zu finden, um das Geheimnis der Seele und die Muster ihrer Entfaltung zu beschreiben. Ich habe über Träume geschrieben und die Transformation durch die Liebe, darüber wie das Herz erwacht, und über unsere innere Alchemie. Ich habe Zustände des Nichtseins beschrieben und eine Stille tiefer als der Geist, und wie wir alle Teil einer lebendigen Einheit sind, die jeden Tautropfen, jede Wolke, jeden Kolibri, der Nektar aus den Blüten in meinem Garten trinkt, einschließt. Und immer bin ich mir der Begrenzungen unserer Sprache bewusst, die sich herausgeformt hat, um die begreifbare Welt der Sinne und die festen Strukturen der Vernunft zu beschreiben, während diese inneren Zustände fluid sind, mysteriös, zyklisch wie die Jahreszeiten und nicht linear. Aber ich habe versucht, diese nicht greifbare Küstenlinie abzubilden, wo die Welten sich begegnen, die unsichtbaren Welten und unsere Menschenwelt der Leute und Probleme, und zu vermitteln, wie sich das Herz wendet. Und dann rief diese andere Landschaft, dieser Horizont, hinter dem wartend die Zukunft liegt und wie überall um uns Zeichen sind, die wir nicht lesen können, eine längst vergessene Sprache, wie auch das, was zu einfach ist als Worte es fassen könnten.

Während ich beobachte, wie heute die Morgendämmerung sanft heraufzieht, frage ich mich, ob Worte überhaupt imstande sind, solch einen Moment einzufangen. Können Worte eine Zivilisation entwirren oder einen Weg beschreiben, der uns in eine andere Seinsweise führt? Ein Falke sitzt im frühen Morgennebel auf einer Telefonleitung, und als er auffliegt, fällt eine Feder vor meine Füße. Das lässt mich an einen Zen-Ausspruch von Meister Fuketsu denken, als er gebeten wurde, die Wahrheit zu beschreiben: „Ich erinnere mich immer an den Frühling in Südchina. Die Vögel singen inmitten unzähliger Arten von duftenden Blumen.“

Die herabfallende Feder spricht dieselbe Sprache wie die singenden Vögel. Sie umgeht den Verstand und seine Denkmuster und öffnet stattdessen unser Bewusstsein für das, was uns immer umgibt. Paradoxerweise und qualvoll müssen wir über die staubige Straße, die Füße blutend, dahinziehen, bis wir diesen Augenblick erreichen, genauso wie ein Mönch viele Jahre lang in stiller Meditation sitzen muss, um zu erwachen. Es war ein Moment der Gnade, als das gegeben wurde, es gibt immer einen Moment der Gnade. Aber nur sehr wenige sind in jenem Moment überhaupt gegenwärtig, wenn man zwischen Abläufe der Existenz hindurchschlüpfen kann, wenn alles frei und voller Lachen ist. Stattdessen scheint es unser menschliches Schicksal zu sein, den Preis für unser Vergessen zu zahlen, für unseren Mangel an Aufmerksamkeit und für unser Unvermögen, die Zeichen zu lesen.

Und jetzt hat nicht eine einzelne Person, nicht ein in Stille sitzender Mönch, sondern eine ganze Zivilisation diesen Augenblick versäumt, in dem die Einheit völlig gegenwärtig war, in dem die Warnungen gegeben wurden und die Zeichen so leicht zu lesen waren. Die Feder fällt vor meine Füße und spricht ihre eigene Sprache, die von jenen, die vor uns auf der Erde wandelten, so gut verstanden wurde und uns inzwischen so fremd ist. Ich kann sie am Rande meines Bewusstseins erfassen, bevor Gedanken hereindrängen, bevor ich verstehen will. Das ist wie der Ariadnefaden, der mich durch das Labyrinth unserer derzeitigen verrückten Welt führen kann, wo alles auf dem Kopf steht, wo alles so eine große Rolle spielt und so wenig bedeutet.

Nicht Zen-Wahrheit ist es, die uns fehlt, das wäre zu weitab, unerreichbar für unseren zugemüllten Geist. Aber eine simple Veränderung des Bewusstseins hin zu einer neuen Daseinsweise, zu einem Weg, gemeinsam mit der Erde zu gehen. Dort gibt es Lachen und Liebe und Zugehörigkeit, die Rückkehr zur Quelle, wo das Leben ganz und gar lebendig ist, weit weg von den Mustern des Missbrauchs an der Natur und an den Menschen, die so bestimmend für unsere gegenwärtige Existenz sind. In diesem lebendigen Augenblick gibt es keine Probleme und keine Lösungen, denn das Leben ist nicht so, viel eher ist es ein Mysterium und wechselt ständig vom Formlosen in die Form. In all seinen unzähligen Formen ist das Leben ebenso sehr in den Verbindungen und Räumen zwischen den Dingen; das ist dort, wo die Freude entsteht, aber wir sind offenbar außerstande, dies zu erkennen.

Da ich zu alt bin, um mich im Lebensgeschäft zu verfangen, und da ich so viele Stunden in der Stille des Herzens verbracht habe, vermag ich der Welt hier zu entschlüpfen, dieser trostlosen apparategesteuerten Welt, die wir geschaffen haben. Ich bin in der Lage, anderen Tönen und tieferen Stillen zu lauschen und fühle die Textur einer anderen Existenz. Ich versuche von dieser Landschaft zu sprechen, von dieser Weise zu sein, aber die heutigen Worte gehören zur heutigen Welt. Während indigene Völker Sprachen haben, in denen die Worte mit dem Land verwoben sind, Magie besitzen und zu Tieren wie auch Menschen sprechen können, sind unsere Worte nicht so, sie sind aus anderen Gedanken geformt, aus mentalen Bildern, schon lange getrennt von Land und Seele.

Sprache hat sich aus unseren Denkmustern entwickelt, aus unseren Verbindungen untereinander und unserer Beziehung mit der uns umgebenden Welt. Sprache verstärkt auch unsere Art zu denken. Vernunft und Wissenschaft verlangten nach einer klaren, präzisen Sprache, einem nüchternen Stil des Schreibens, um eine Welt der harten Fakten wiederzugeben, wodurch eine Qualität lyrischer Schönheit und Mehrdeutigkeit verloren ging, die bei Shakespeare noch so lebendig war, der so viele neue Worte schuf, und wir lernten, enggefasster und rationaler zu denken. In den vergangenen Jahren erfanden wir sogar eine neue Sprache, die der Einsen und Nullen, die inzwischen so viel von unserer Welt programmiert und uns ihre logischen, linearen Muster aufzwingt, wodurch wir uns noch weiter von der mehr-als-menschlichen Welt entfernen, die uns umgibt. Ihr binärer Charakter beeinflusst uns stärker als wir meinen, indem ihre Algorithmen unsere Wahrnehmung verzerren und uns noch mehr aus dem Gleichgewicht bringen.

Eines Tages, im gegenwärtigen Augenblick wie auch weit entfernt von jetzt, werden die Worte wieder lebendig werden, Namen werden heilig sein und im Einklang mit den Schöpfungsmustern singen, mit ihrer Magie und ihrem heiligen Sinn. Die inneren und äußeren Welten sind dann nicht länger getrennt, sondern sprechen miteinander, erzählen sich Geheimnisse. Ich würde gern dabei sein, wenn diese Sprache kommt, aber ich bin zu alt und diese Zukunft ist zu weit weg. Stattdessen deute ich auf Pfade und Gärten hin, deren Tor immer offen steht, auf Wege zu lauschen und zu bezeugen.

Ich bin dankbar, dass Worte weiterhin Geschichten erzählen und etwas einweben können, was zwischen den Welten ist. Diese Welt ist nicht so, wie wir denken; sie ist aus einer Substanz gemacht, die nicht aus Atomen oder Teilchen besteht, und in ihren Tiefen gibt es ein geheimes Lied. Worte können den Saum dieses Lieds berühren, auch wenn die wahre Sprache des Lieds längst vergessen oder noch nicht wiedergefunden ist. Worte können uns erinnern, uns über versteckte Pfade führen. Sie sind Freunde und Gefährten auf dieser Reise, besonders wenn wir zulassen, dass sie die Ränder unseres Bewusstseins verschieben und weiten. Ich hoffe, diese Worte sind fluid genug, um in den gegenwärtigen Augenblick zu führen.

Ich sehe der Feder zu, wie sie herabsinkt und wische mir eine Träne ab, weil Wahrheit und Trauer in dieser Zeit Hand in Hand gehen, in dieser Zeit, da die Achse der Welt sich verschiebt, wir aber zu beschäftigt mit den Problemen von heute sind, um es zu bemerken. Da unsere Gedanken nicht umfassen können, was numinos und so voller Wunder ist. Eines Tages wird die Zukunft eintreffen, in der ihr eigenen Zeit und nicht gefangen in Uhren oder durch Fakten bestimmt. Eines Tages wird der Augenblick singen, und wir erinnern uns dann, warum wir hier sind.