Transkript der Podcast-Reihe:
Geschichten für eine lebendige Zukunft

Während die Jahreszeiten und die Jahre vorbeizogen, habe ich mit einer tiefen Traurigkeit beobachtet, wie sich Schatten über unsere Welt senkten, wie die Spaltung und in jüngerer Zeit der Gifthauch von Fake News, die Verzerrungen durch die sozialen Medien und Verschwörungstheorien zunahmen, die zu einer noch dichteren und immer stärker ablenkenden Dunkelheit wurden. Und obwohl unsere ökologische Krise durch all die Feuer, Überschwemmungen und Klimaflüchtlinge fühlbarer geworden ist, scheint unsere Zivilisation immer noch süchtig nach der alten Story vom Wirtschaftswachstum zu sein, ungeachtet der simplen Wahrheit, dass unsere jetzige Lebensweise untragbar ist. Ich sehe, wie unsere Welt brennt, doch unsere Regierungen neigen, trotz eines wachsenden Bewusstseins der Einheit, zu zunehmender Abgrenzung, sozialer und ethnischer Ungleichheit und wachsender Ungerechtigkeit.

In meiner Trauer um all die verloren gegangene Schönheit, um die Wunder wie die Wildblumen, die aus unseren Wiesen verschwunden sind, werde ich seit Jahren von alten Erinnerungen an eine frühere Zeit, noch vor dem „Sündenfall“ verfolgt, als die Welten des Lichts und die Mächte der Schöpfung in heiliger Verbindung zusammenarbeiteten.1 Es war eine einfachere Zeit, als die Menschheit noch jung war und das Göttliche eine fühlbare Präsenz in der Luft um einen herum wie die erste Süße des Frühlings. Da war noch ein Wissen gegenwärtig, das inzwischen tief verborgen ist – ein Wissen um die heilige Bestimmung der Schöpfung, um ihre Schönheit und ihre Wunder. Und dieses Wissen erwachte zum Leben, sprach zu den Menschen in all den unzähligen Stimmen ihrer Umgebung, in den Wasserläufen, in den Stimmen der Vögel und all der Tiere, sprach in der ersten Sprache des Lebens.2 Es war die Freude des Lebens, das miteinander kommunizierte, und wir waren Teil von dem allen, Teil seiner Gesänge und Träume.

So viel wurde gegeben in dieser Zeit, als die Seele der Menschheit und die Seele der Welt miteinander verbunden wurden, und die ERDE zeigte Ihre Großzügigkeit. Das Land war unberührt und man wusste um seine heilige Natur und pries sie. Es war eine Zeit des Anfangs, die Zeit der „Ursprünglichen Weisungen“, als die Diener des Lichts ihre Arbeit begannen, die Welt zu erwecken. In diesem Moment wurden die heiligen Namen der Schöpfung zuerst den Menschen gegeben, als erstes den Schamanen, den Heilern und den Hütern der Weisheit – die Namen der Tiere, die deren Kraft heraufbeschworen, die Namen der Pflanzen, die deren Heilkräfte offenbarten, die Namen der Flüsse und Berge, die dafür sorgten, dass die Welt in Harmonie und im Gleichgewicht gehalten wurde – und durch sie kam die Menschheit und die erschaffene Welt in eine neue Verbindung und sie sangen zusammen. In dieser Beziehung zwischen der Menschheit und der ERDE und all Ihren zahllosen Bewohnern lag eine Reinheit der Intention; ihre Partnerschaft hatte eine heilige Aufgabe. Gemeinsam sollten sie dahin wirken, die Magie und das in der physischen Welt verborgene Licht zu erwecken.3 Und dieses Licht sollte einem höheren Zweck dienen. Das war der Anfang des Urvertrags zwischen der Menschheit und der Schöpfung – die natürliche Welt wurde zum ersten Buch der göttlichen Offenbarung.

Inzwischen bewahrt das unsere Kultur nur noch als einen Mythos: Adam und Eva im Garten Eden, die der Schöpfung ihre Namen geben.4 Für mich ist das jedoch immer persönlicher gewesen, wie ein Lied, das ich schwach erinnere, das die ferne Melodie einer anderen Zeit mit sich bringt. Diese Erinnerung hat die Unschuld von vor dem Sündenfall, aber es ist auch eine Erinnerung an die ursprüngliche Beziehung zur Schöpfung, die jetzt nach meiner Aufmerksamkeit verlangt. Die ERDE ruft nach uns, schreit auf, und indem diese Erinnerung zu mir zurückkommt, weiß ich, es gibt eine andere Weise zu sein.

Wir können nicht zur Unschuld dieser früheren Zeit zurückkehren, aber dieses Band zwischen der Menschheit und der Schöpfung bleibt, wenn auch verborgen unter all den Trümmern unserer Kultur, unter dem inneren und äußeren Ödland, das wir geschaffen haben. Das Geheimnis und die Kraft der Namen bleiben, diese zwischen der Welt des Lichts und der Welt der Schöpfung verwobene Ur-Magie. Und wir können uns wieder mit dieser Magie verbinden, dieser erwachten Beziehung zur ERDE und ihren inneren Welten – wir müssen sie uns zurückerobern. Wir müssen uns an sie erinnern. Die Magie, die zum wahren Wunder und Mysterium der Schöpfung gehört, muss wiedererweckt und mit ihrer Quelle im Licht wiederverbunden werden.

Wenn ich mich an jene früheren Zeiten erinnere, als wir mit der Kraft der Namen auf der ERDE wandelten, war solch eine Freude und Liebe in dieser Gemeinschaft mit der Schöpfung. In meiner ersten Erinnerung an das „Wachwerden“ in diesem Leben, ich war damals sechzehn, fand ich mich im Garten der Schöpfung wieder, das Sonnenlicht wurde von dem Wasser des Flusses nahe bei meinem Zuhause zurückgestrahlt. Es gab sogar einen kleinen ummauerten Garten voller Blumen, wo ich viele meiner freien Stunden verbrachte. Es war ein Erwachen zur Schönheit und dem Wunder der ERDE, Ihrem Duft und Ihrem Licht, und diese ersten Wochen des Erwachens begleiten mich wie eine Erinnerung an die erste Liebe. Jahre später, als ich meine ersten Erfahrungen völliger Einheit bekam, geschah das auch in der Natur, während ich durch die Hügel von Nord-Kalifornien wanderte, und wieder im Sonnenlicht, diesmal nahe der Wasser des Pazifiks.

Diese ursprüngliche Schönheit der Schöpfung ruft mich schon viele Jahre und erinnert mich an eine Zeit, als die Welt jünger und unberührt war, bevor die Dunkelheit und die Wirren kamen. Und jetzt muss ich zu dieser inneren Qualität zurückkehren, zu dieser Note, die einer tiefen Liebe für die ERDE angehört. Ich muss diese Liebesverbindung in meinem Herzen, in meiner Seele und in meinem Körper leben, sonst strande ich in der Ödnis unserer heutigen, immer toxischer werdenden Zivilisation.

Das ist ein Kummer, der mich bedrängt, dieser Niedergang ist sogar noch schmerzlicher als der Artenverlust, als die Wildblumenwiesen, die wir wohl nie wieder sehen, und der Chorus der Vögel, den wir wohl nie wieder hören werden. Ein Kummer, der nicht in unsere sterile Welt passt, denn er ist unermesslich, und er weint mit den Namen der Schöpfung, die vergessen wurden, weint um die Flüsse, die einst voller Magie dahinströmten, und mit den Erinnerungen, die älter sind als der Verstand. Ich kann niemals das Wunder der ersten Morgendämmerung vergessen, des Erwachens des Gesangs der Existenz, der Weisen, wie die Welten miteinander verwoben wurden. Ich bitte nicht darum, sich zu erinnern, aber ich kann auch nicht die Echos von all dem ausblenden, was verschwunden ist, wie die uralten Wälder, abgeholzt von Jahrhunderten des „Fortschritts“.

In der Zeit vor der Zeit wurde die Chronik unserer Welt geschrieben, als das Leben in die Existenz gesungen wurde und die Engel ihre Orte, die sie zu hüten und zu schützen hatten, zugewiesen bekamen – das war, als die Ley-Linien, die Energiemuster in der ERDE, gebildet, als die Ebenen der Magie geschaffen wurden, als die inneren und äußeren Welten ihre Trennung begannen. Und jetzt, Tausende von Jahren sind verflossen, so viele Gezeiten gekommen und gegangen, befinden wir uns in der Zeit des großen Vergessens, wo die Menschheit am weitesten entfernt von der QUELLE ist. Ja, es hat schon früher Epochen der Dunkelheit gegeben, furchtbare Zerstörungen, aber nie ein solches Vergessen – wir haben vergessen, dass unsere Welt sogar eine Geschichte hat, die vor dem Anfang geschrieben worden ist. Deshalb stehen wir an einem niemals zuvor geöffneten Tor, an einem noch niemals zuvor erreichten Scheideweg. Und wie viele von uns sind übrig, die sich erinnern, obwohl wir alle die Narben dessen tragen, was vergessen worden ist, der große Kummer von Generationen?

Ich erinnere mich sehr gut daran, als es noch nicht so war, als die Farben in der Luft sangen und Magie kein Geheimnis war, sondern eine Art zu leben. Ja, es hat Jahre des Elends gegeben; Zeiten der Not traten immer ein – das gehört zu den Wegen der Natur, Jahre der Dürre wie Jahre der Fülle, Trockenheit wie starke Regenfälle. Aber diese gegenwärtige Zeit des Vergessens ist etwas anderes – kein im Buch des Lebens eingeschriebenes Kapitel; nur ein Symbol merkte an, was eintreten könnte, eine entfernte Möglichkeit. Und doch ist es jetzt das, was überall ist, unsere heutige Geschichte.

Was ist das, was ich bezeuge, und was bedeutet es, in dieser Zeit zugegen zu sein, wo die Quellen vertrocknen und die Luft giftig ist? Und wo sind jene, die das Gleichgewicht der Welt bewahren – der Regenmacher, der in seiner Hütte sitzt und eine innere Balance hält, der Mönch dessen Gebetsperlen und Mantras die Welt gestimmt halten? Was wissen wir überhaupt von diesen Dingen, wenn wir nicht in der Lage sind, die Bedeutung dieses Augenblicks auch nur annähernd zu erfassen – diese Zeit, wo sogar die Existenz der inneren Welten aus den Seiten der gegenwärtigen Zivilisation herausgeschrieben wird? Ja, ein paar essenzielle Dinge bleiben, wie Freude und Liebe und die Schönheit der Sterne oder ein Sonnenuntergang. Aber wo sind die Träume, um uns zu leiten, die Lehren, um ihnen zu folgen? Sogar die Spiritualität ist zu einer weiteren Konsumware für den Verkauf auf dem Markt herabgesunken. Von ihren tieferen Wahrheiten findet sich fast nicht einmal mehr ein Echo.

Erinnerung ist ein Segen wie auch ein Fluch. Es wäre so viel leichter, einfach nur den Augenblick zu leben, wie er ist, ohne von dem zu wissen, was verloren gegangen ist, und zu glauben, dass das, was wir gerade erfahren, alles ist, was es gibt, wie ein Kind, was nur die Straßen der Stadt kennt und nie eine Wiese mit Frühlingsblumen oder einen goldenen Wald im Herbst gesehen hat. Und doch bleiben Liebe und Lachen; Tränen und Herzschmerz halten die Seele wach. Und in unserem Herzen gibt es einen Samen einer Zukunft, die zum Anbeginn zurückkehrt, als die QUELLE frei floss und die Namen der Schöpfung im Wind sangen.

ZURÜCK ZUM ANBEGINN

Könnte es sein, dass am ersten Anbeginn, vor der Trennung, vor all den Machtspielen, sogar noch vor dem Missbrauch der Magie, der so viel Schaden angerichtet hat, die Beziehung zum Göttlichen eine einfache Gefährtenschaft, Freundschaft und Liebe gewesen ist?5 Dass wir gemeinsam gingen, die Füße auf dem Boden und die Herzen die Lieder der Schöpfung singend? Das war die Zeit der Namensgebung, als „Gott Adam all die Namen lehrte, alle“ und die Welt durch diese reine Magie zum Leben erwachte. Das war die Zeit, als Flüsse und Bäume ihre wahre Natur sangen und alles mit göttlicher Gegenwart lebte. Vielleicht ist das der Garten Eden, das Paradies, doch damals war es einfach so.

Mehr und mehr werde ich zu diesen alten, so alten Erinnerungen gezogen, die wie ein ferner Herzschlag sind. Da ist auch dieses Gefühl, dass in dieser Zeit vor dem Sündenfall die „Freunde Gottes“ damals nicht Freunde von Gott, sondern Freunde mit Gott waren. Da gab es diese Gefährtenschaft mit dem Anderen, der nicht anders war, diese Freundschaft mit dem Göttlichen und der gesamten Schöpfung als ein einfaches Lied, für das ich heute Worte brauche. Und in dieser Erinnerung liegt eine Zärtlichkeit, die sich auch wie eine Wiederbegegnung, ein sich Berühren anfühlt.

Oft frage ich mich, welche Bedeutung der Umstand meines ersten Erwachens in diesem Leben hat, in dem Sommer, als ich sechzehn war und mich im Garten wiederfand, mit dem Licht, das auf dem Wasser des Flusses funkelte, und den Blumen, die in Farben sprühten, von denen ich nicht gewusst hatte, dass es sie gab. War diese erste Erfahrung ein Vorgeschmack wie auch eine Erinnerung, ein sich öffnendes Tor in eine andere Welt, die immer da gewesen ist, wenn auch lange vergessen?

Jene Zeit war eine des Gebets ohne Worte, Gebet, weil alles in der Schöpfung voller Licht vibrierte, und ich saß da und konnte das alles sehen, und das Wasser umfloss meine Hände, wenn ich sie in den Fluss tauchte. Ist das so am Anbeginn gewesen: die ERDE ein Gebet, die mit ihrem Benennen ins Leben kam? Wie ich schon gesagt habe, diese alten Erinnerungen drängen sich mir immer wieder auf, Erinnerungen aus einer Zeit lange, lange vor jeder Religion, jedem Bedürfnis nach einer Form der Verehrung, da alles diese einfache Essenz war, dieses Licht über Licht – das Göttliche, die Schöpfung und alle von uns, die damals auf der ERDE wandelten, die wussten, was es bedeutet, wirklich lebendig zu sein. War dies die älteste Form der Gefährtenschaft – die Schöpfung, der Schöpfer und die Menschenwesen Hand in Hand? Als alles ein einziges heiliges Sein war, das zum Leben erwachte wie der allererste Tagesanbruch?

Und jetzt, nach einer spirituellen Reise, die mich weit über diese äußere Welt hinausgenommen hat in das Formlose und darüber hinaus und mich die Substanz erfahren ließ, die allem zugrunde liegt, was ist und nicht ist, was wir WIRKLICHKEIT nennen mögen, obwohl es keinen Namen hat – nachdem ich diese WIRKLICHKEIT erkannt habe, die in jeder Zelle, in jedem Seestern eingeprägt ist, kehre ich zu diesem einfachen Garten mit etwas wie der Sehnsucht nach der ersten noch nicht ganz erfahrenen Liebe zurück. Hier hat alles begonnen, in diesem Leben und, wie ich spüre, auch vor vielen, vielen Leben. Das ist dieses „Am Anfang“ der Geschichte, als noch nicht nach dem Göttlichen gesucht werden musste, als es noch die alles einschließende Freundschaft gab. Alles war da noch in seiner wahren Bedeutung, und jeder Grashalm, jeder Mensch und jeder Traum wusste um seine Zugehörigkeit. Und hier, in dieser Welt, wo Mensch und Göttliches sich begegnen und von dem Wunder sprechen konnten, was ist, kannten Geist und Materie überhaupt keine Trennung.

Später fing alles an sich zu verändern, und das ist die Geschichte der menschlichen Evolution, der Mythos vom Sündenfall, der Anfang von den Religionen als ein Mittel, sich Teile von dem zurückzuholen, was verloren gegangen war. Das geschah auch, als sich die Erd-Magie zu wandeln begann und aufhörte, eine einfache Feier zu sein – ein Ausrufen oder Singen des angestammten Namens –, als allmählich, über die Jahrtausende, der GEIST sich in die inneren Welten zurückzog und Himmel und Erde sich auseinander entwickelten. Und vieles der spirituellen Arbeit verschwand von der ERDE und aus den Mustern der Schöpfung, oft zu einem Ort des Rückzugs von der Welt. Auch etwas in der Schöpfung wurde verborgen; ein Licht ging verloren. Und so wurde eine uralte Freundschaft, eine Vertrautheit mit dem Göttlichen zugedeckt und verfälscht. Wir mussten dann Wege der Rückkehr finden, Praktiken entwickeln, uns wieder mit dem Licht in uns zu verbinden. Und die Muster der Verzerrung, die die ERDE überzogen, wurden stärker und stärker, bis wir uns heute in einer Welt wiederfinden, die ihren Weg verloren hat, die immer mehr aus dem Gleichgewicht trudelt.

Betrachten wir diese heutige Welt, sehen wir häufiger Dunkelheit als Licht. Das ursprüngliche Lied der Schöpfung, als uns die Flüsse und Berge mit heiliger Musik und Sinn berührten, ist beinahe verhallt. Stattdessen gibt es den Lärm, die Verschmutzung und die Verzerrungen durch das Ödland, das wir mit unserer Gier und unseren Begehrlichkeiten erschaffen haben. Doch darum geht es nicht in den „Ursprünglichen Weisungen“, der uralten Lebensweisheit, die uns in den frühen Tagen gegeben wurden.

Und diese Weisungen bestehen noch, wenn wir hinzuschauen und zu erinnern wissen. Wenn wir es wagen, zu diesem zutiefst menschlichen Weg, mit dem Schöpfer in Ihrer Schöpfung zurückzukehren und dabei unsere Füße auf dem Boden haben, kann Ihre Magie wieder lebendig werden. Dann kommen mit unserem Lobpreisen und Danken die Welt des Lichts und die Welt der Materie zusammen. Wir sind beides: Himmel und Erde, aus Sternenstaub und Erdreich geboren. Schaffen wir es, uns daran zu erinnern, kann das Liebesband zwischen den beiden wieder in unseren Herzen lebendig werden. Das ist das Gebet und das Versprechen, das mich hier in dieser Welt gehalten hat.

In dieser Erinnerung, wie es zu Anbeginn gewesen ist, in dieser zur ERDE gehörenden Geschichte, ist auch meine Geschichte. Dies ist der Faden, dem ich zu folgen versucht habe, der sich durch Lebzeiten und über Ozeane webt. Und in dieser Geschichte bleibe ich mehr und mehr mit meinem einfachen menschlichen Selbst zurück. Deshalb grabe ich gern meine Kartoffeln aus dem Boden, Kartoffeln, die ich für meine Mahlzeit backen und mit zerlassener Butter und Käse essen kann. Irgendwo tief innen verstehe ich nicht, warum es so fehlschlagen musste, warum wir die alten Wege vergessen und verlassen mussten, die Wege des Respekts und der Ehrfurcht für die ERDE und das Göttliche, für alles, was heilig ist, und warum die Magie in der Schöpfung in die Verborgenheit gehen musste. Und doch bin auch ich Teil dieser Kultur, die vergessen hat – das war meine Kindheit in der oberen Mittelklasse Englands, bis mich ein Zen-koan im Garten, mit den Blumen und ihrem Duft und dem Sonnenlicht und dem Fluss, erweckte.

Und jetzt, über ein halbes Jahrhundert später, weiß ich, während ein alter Mann im Garten sitzt und die Jahreszeiten und den Wechsel der Farben beobachtet, die sich verändern, weil der Sommer in den Herbst übergeht, dass dieses ursprüngliche Gewahrsein wie ein Bewusstseinssamen ist, den wir für eine neue Erzählung brauchen, für eine neue Weise, mit der ERDE zu sein. Wir müssen an den Anfang zurück, zu dem Moment, als die Magie völlig lebendig war, als wir auf einer belebten ERDE gegenwärtig waren und all unsere Sinne wach. Dieser Augenblick, außerhalb der Zeit zu sein, ist nicht so weit weg; er wartet in einem Land, das wir ausgeblendet und vergessen haben, das unser rationales Ich zensiert hat. Wie dieser Samen aufblühen und gedeihen, wie eine neue Erzählung sich manifestieren wird, gehört zum Mysterium der Evolution – wie eine neue Ära entstehen kann. Aber jetzt braucht er unsere Aufmerksamkeit, braucht, dass wir ihn im Herzen halten, in unserer Vorstellungskraft und unseren Träumen. Und diesen Samen können wir nähren mit dem Kummer über das, was wir verloren haben.

  1. Im Sufismus wird die Welt des Lichts als „Welt des göttlichen Befehls“ (‘âlam al-amr) bezeichnet – im Gegensatz zur „Welt der Schöpfung“ (âlam al-khalq), die wir durch unsere Sinne und die Schleier des Ego erfahren. In der Welt des göttlichen Befehls verneigt sich alles vor Gott. Es ist das Reich der Engel und anderer Lichtwesen, die sich nur vor Gott verneigen und nur Gottes Macht und Willen ausführen können. Die Welt des Lichts existiert außerhalb von Zeit und Raum und ist zugänglich durch das göttliche Bewusstsein des SELBST.
  2. David Abram beschreibt, dass die Inuit glauben, wie auch viele andere Völker, dass Tiere und Menschen einst dieselbe Sprache gesprochen hätten. Er zitiert eine Inuit-Frau: „Am Anbeginn, als die Erde mit Menschen und Tieren bevölkert war … sprachen alle dieselbe Sprache. Es war die Zeit, da die Worte magisch waren.“ Er schreibt weiter: „Am besten erinnern sich an die heilige Ursprache jene Männer und Frauen, die als Schamanen und Medizinkundige anerkannt sind. Als solche können sie die rein menschliche Diskursebene nach Belieben verlassen, um direkt mit den andersartigen Kräften der Natur zu kommunizieren.“ Aus: David Abram: Im Bann der sinnlichen Natur – Die Kunst der Wahrnehmung und die mehr-als-menschliche Welt, S. 104 – 105, Klein Jasedow, thinkoya, 2015
  3. Das Licht, das in der geschaffenen Welt verborgen ist, nennen die Alchemisten lumen naturae.
  4. Genesis 2:19: „Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.“
  5. Das Erwecken der Magie war Teil der Schöpfungsgeschichte, als das menschliche Bewusstsein zum ersten Mal erschien. Die natürliche Magie der Erde ermöglichte uns, das Wunder und Geheimnis der Schöpfung zu erleben, wie alle Schöpfung eine göttliche Bestimmung in sich trägt. Es kann zum Beispiel an den Höhlenmalereien in Südfrankreich gesehen werden, deren Tiere eine schamanische Dimension haben. Tragischerweise wurde diese frühe Magie allmählich für Machtzwecke missbraucht, und das verursachte den Riss zwischen den Welten, den zwischen der Welt des Lichts und der physischen Welt der Schöpfung, was im Mythos als der Sündenfall dargestellt wird, als Verlust der Unschuld. Ich spüre die Aufforderung, zu dieser ursprünglichen Beziehung zurückzukehren, diese Magie zu erwecken, die immer noch in der Schöpfung da ist, wenn auch weitgehend verborgen. Diese magische Beziehung zwischen den Welten ist Teil unseres Erbes, das wir fast völlig vergessen haben, obwohl wir immer noch von einem „magischen Moment“ sprechen, wenn die numinose Energie der inneren Welt in unsere äußere hineinkommt.